Tag Archives: Lena Hoschek

Organisationschaos par excellence oder die MQ Vienna Fashion Week 2011

19 Sep

Letzten Samstag besuchte ich, wie auch in den vergangenen beiden Jahren, die MQ VIENNA FASHION WEEK. Zu Gast bei MARCEL OSTERAG und LENA HOSCHEK war mein Plan.

Aufgehübscht ging es los mit Kurs auf das MQ. Erster Schreck: die Menschenschlange vor dem Eingang des Fashionzelts.


© Philipp Hutter

Eigentlich kein Wunder, denn auch heuer lautete die Devise: Tagesticket um EUR 14 kaufen, theoretisch Zugang zu allen Fashion Shows des Tages haben, aber praktisch um einen Platz im Zelt bangen, und das vor jeder Show.

Wer noch nie bei der MQ Vienna Fashion Week war: Um sich eine Fashion Show anzusehen, muss man zuerste ein Tagesticket kaufen. Damit hat man theoretisch zu jeder Show Zutritt, jedoch keinen garantierten Platz im Fashionzelt. Wer zuerst kommt, malt zuerst. Daher heisst es überpünklicht kommen, anstellen, warten. Je nach Andrang kommt man mit mehr oder weniger Glück zur gewünschten Fashion Show. Nach jeder Show wird das Zelt geräumt. Dann geht das Anstellen, Warten und Bangen von vorne los. Es ist daher notwendig taktisch vorzugehen und sich genau überlegen, welche Shows man sehen möchte (an alle Shows eines Tages, für die man eigentlich auch bezahlt hat, ist gar nicht zu denken) und wann man sich am besten dafür anstellt (bzw. welche Shows man davor besser auslässt, um rechtzeitig vorne zu stehen). Klingt kompliziert, ist auch so. Macht das Wort Modezirkus nun Sinn?

Heuer kam ich in den Genuss eines Pressetickets und durfte bei der riesigen Schlange vorbei, direkt ins Zelt huschen. Nächster Schreck: gefühlte 500 Grad im Glashaus. Weit und breit kein Ventilator, keine Klimaanlage, o.ä. Schönes, aufwendiges Makeup für die Katz’. Hätte ich mir absolut sparen können, denn das floss auf schnellstem Wege davon, raus aus dem Zelt.

Gott sei Dank war Verlass auf VÖSLAUER (einer der Hauptsponsoren; Foto links ©Vöslauer), denn mit gratis Mineralwasser und Riesenfächern wurden die Gäste vor einem drohenden Kreislaufkollaps bewahrt.

Schnell links eingereiht beim Eingang für Presse & VIP, denn gleich geht’s los! Auf den Flatscreens im Vorzelt konnte man noch die letzten Minuten von der gerade laufenden Show sehen. Die Show ist vorbei. Los geht’s. Wohl eher nicht. Zuerst wurden alle Gäste der soeben zu Ende gegangenen Fashion Show aus dem Zelt getrieben. Nicht etwa durch den Seitenausgang direkt ins Freie, nein, zurück zum Presse & VIP-Eingang, wo jedoch schon die nächsten Gäste für die Marcel Ostertag Show in der Schlange standen. Hervorragend, denn die in den Startlöchern stehende Menschentraube (zwar kleiner als die Schlange vor dem Zelt, aber auch hier gab’s Trauben) musste nun wie bei Moses-der-das-Meer-teilte einen Gang für die herausströmenden Herrschaften frei machen. Rempelei hin, Drängelei her. Habe ich erwähnt, dass es heiss war?

Wir befinden uns bei bereits gefühlten 1000 Grad im Hochofen. So, aber jetzt geht’s los. Moment. Nun folgten noch Umräumarbeiten bis dann endlich der Zutrittsvorhang gelüftet wurde. Wir durften hinein. Nicht so schnell. Zu voreilig wagte ich mich anscheinend zu nahe an den Eingang heran und wurde mit einem herausgeschnautzen „Presse auf die Seite und warten!“ sofort ruhig gestellt. Denn, zuerst *brüll*: „Gelaaaadene Gästeeeee? Hat noch jemand eine Swottttsch Uuuuuuuhr?“ Nun waren die geladenen und alle mit einer Papier Swatch Uhr markierten Gäste an der Reihe. Die verbliebene Pressetraube wusste was zu tun ist. Zeit für den gerade geübten Moses-Gang. VIP und Swatch Uhren durch. Offensichtlich maßlos überfordert mit dem Andrang in der Presse & VIP-Ecke, kam ein besonders „sympathischer“ junger Herr Platzanweiser, auffallend durch seine „extrem freundliche Art“ gegenüber den Gästen, auf eine brilliante Idee zur Bändigung der Massen bei der nächsten Show von Lena Hoschek. „Bei der Hoschek nur mit Presseausweis!“, gab er seiner Kollegin Anweisung, die nur etwas verdutzt die Augen aufriss. Mein Gedanke – mit pulsierender Halsschlagader – „Sehr gut! Auf DIE Diskussion mit mir kann er sich jetzt schon freuen, da gibt’s dann Rambazamba!“ Zum Glück wird meistens nicht so heiss gegessen wie gekocht. Sein Schlachtplan ging nämlich nicht auf, wie sich später zeigte.

Wir durften endlich ins Zelt, Platz gesucht und Marcel Ostertag geguckt. Nach der Show aus dem Zelt rausgetrieben und wieder warten, diesmal für/auf Lena Hoschek. Der Zutritt wurde letztendlich allen gewährt, ganz ohne Presseausweis, Fingerabdruck oder Augenscan. Sekunde 1 bei Lena Hoschek und der ganze Zirkus war kurz vergessen. Als Fan der ersten Stunde ging mir beim Anblick ihrer H/W Kollektion und auch beim Look ihrer eigens mitgebrachten Models wieder mal das Herzchen auf.


© Philipp Hutter

Vielen Dank, Lena! Du hast mir den Abend gerettet…


© Philipp Hutter

Keine Frage, eine Fashion Week zu organisieren und auch wenn nur im vergleichsweise kleinen Wien, soll mal einer nachmachen. Die Fashion Week in Wien funktioniert aber anders, als in anderen Städten. Hier kommen nicht wie etwa in New York, Paris oder London, die Einkäufer großer Häuser zur Preview ihres nächsten Sortiments. Öffentlich zugängig für jedermann, ist die MQVFW für mich vielmehr ein Marketing-/PR-Instrument für weniger bekannte und/oder neue Designer ihr Label einer großen Masse zu präsentieren. Hier kauft man Eintrittskarten, in anderen Städten kommt man ohne Einladung nicht einmal in die Nähe des Fashionzelts. Wie sich zeigt, bei uns nicht einmal mit bezahlter Eintrittskarte. Wer bezahlt, soll auch eintreten und zuschauen dürfen. Wo bleibt sonst die Leistung, wie es in Österreich so schön heisst! Und, wie in jeder Situation im Leben: der Ton macht die Musik. Anschnauzen kann ich mich selbst.

Ein respektvoller Umgang mit den Gästen ist nicht nur wünschenswert, sondern für mich oberste Bedingung. Ob mit der modeinteressierten Schülerin, dem geladenen VIP-Gast mit Papier Swatch Uhr, der Modechefin eines Magazins oder auch nur mit einer kleinen Beautybloggerin, die Makeup und Hairstyling unter die Lupe nimmt…


Last week was MQ Vienna Fashion Week. Please click Translate for English.

Related posts:

BEAUTYTALK mit Lena Hoschek

6 Jan

Dass sie bezaubernde Mode entwirft, weiss man längst. Dass sie ausgebildeter Make up Artist ist und am liebsten selbst zum Pinsel greift, wissen von der österreichischen Designerin Lena Hoschek die wenigsten. Ein Gespräch über Schminken auf Rädern, pumperlg’sunde Eichhörnchen und die ewige Suche nach dem perfekten Duft.

Mode und Make up: eng verbunden und doch getrennt. Welchen Stellenwert hat Make up für dich als Modedesignerin?
Make up hat für mich einen sehr großen Stellenwert. Make up bedeutet für mich das Gesicht in Szene setzen. Das funktioniert geschminkt oder ungeschminkt. Durch Make up kann man sehr viel aussagen. Wir haben gerade ein Goth Outfit in der Kollektion und wenn das Make up dann zum Beispiel sehr elfenhaft ausfällt, ergibt das ein völlig neues Gesamtbild. Mit Make up kann man viel verhauen aber auch viel unterstreichen.

Bei der letzten Vienna Fashionweek hast du mit Sergej Benedetter zusammengearbeitet. Wie entsteht der jeweilige Look für deine Fashionshows bzw. für deine Shootings? Wer kreiert die Looks und mit wem arbeitest du?
Ich arbeite sehr gerne selbst. Bei mir muss alles immer ganz schnell gehen. Bei Fotoshootings, Fashionshows, etc. muss es wirklich immer ganz, ganz schnell gehen. Ich halte es nicht aus, wenn manche Make up Artists stundenlang an einem Gesicht herumpinseln. Das ist für mich in dieser Situation Zeitverschwendung, denn da ist es mir wichtiger, dass Eyeliner und Lippenstift perfekt sitzen. Ich mache fast nie besonders aufwendige Editorials (Anm.: Fotostrecke die zum Veröffentlichen in einem Magazin, Katalog, Lookbook, etc. ausgelegt ist), daher auch selten aufwendiges Make up. Bei meinen Looks ist immer alles klassisch und tragbar. Ich habe vor Jahren, noch bevor ich selbst Mode gemacht habe, die Ausbildung zum Make up Artist gemacht. Wenn du dann selbst ein bisschen Ahnung hast, verstehst du auch was wirklich dahinter steckt. Vor allem bei rotem Lippenstift und Eyeliner trennt sich die Spreu vom Weizen und man erkennt sofort den wahren Meister. Aber generell ist es schon extrem toll, was manche künstlerisch leisten.

Bist du auch experimentierfreudig mit neuen Looks oder muß es immer schwarzer Eyeliner und roter Lippenstift sein?
Der Look wird auf jeden Fall auf die jeweilige Kollektion abgestimmt. Aber immer etwas zurückgenommen und vor allem tragbar. Letzten Sommer hatten wir zum Beispiel das Thema Hawaii in der Kollektion und das wollte ich dann auch mit gelbem und blauem Lidschatten im Make up widerspiegeln.

Wer oder was inspiriert dich bei Make up?
Die Augenbrauen aus den 50ern finde ich extrem toll. Das sieht in den Filmen von damals immer total schön aus. Diese dick nachgezogenen Brauen, fast schon Balken. Ich trage meine Augenbrauen auch selbst gerne stark nachgezogen. Die Produkte waren damals natürlich noch nicht so toll wie heute.

Schminkst du dich selbst gerne?
Ich selbst trage eigentlich nie Make up, sondern immer nur Concealer unter den Augen. Ohne den gehe ich allerdings nie außer Haus, das fällt nämlich sofort auf! Mit meiner Haut habe ich jedenfalls viel Glück gehabt. Eine schöne Haut als Basis ist natürlich sehr hilfreich. Vor allem bei der Grundierung finde ich „weniger ist mehr“ und auch viel schöner als wenn man vor lauter Make up vom Gesicht gar nichts mehr sieht.

Und was findet man in deinem Schminktäschchen?
Nachdem ich beim Schminken sehr viel selbst arbeite, ist mein Schminktäschchen richtig fett. Wenn ich nur mit Handgepäck reise, dann gibt es aber eine abgespecktere Version. Roten Lippenstift, Konturenstift, Lippenpflege, Lidschatten und Concealer habe ich eigentlich immer mit. Roten Lippenstift in fünf verschiedenen Tönen, die passenden Konturenstifte, einen hellen Lidschatten zum Beispiel in rosé, einen braunen Lidschatten, flüssigen Eyeliner in schwarz und braun. Da verwende ich am liebsten die billigsten Marken, weil ich finde die halten am längsten.

Du hast nur 10 Minuten Zeit in der Früh. Was passiert mit deinen Haaren?
Wenn ich in der Früh nur 10 Minuten Zeit habe, komme ich zu spät! Da werden die Haare dann, so wie heute, einfach mit einem Gummiringerl zusammengebunden. Mit den Haaren habe ich es noch nicht so heraussen, das braucht immer ziemlich lange bis es gut ausschaut. Aber wo ich ganz viel Zeit spare, ist beim Schminken. Ich schminke mich nämlich immer beim Autofahren. Das geht total super! Beim flüssigen Eyeliner brauche ich dann aber schon eine rote Ampel.

Wonach duftet Lena Hoschek?
Ich verwende immer Parfum, wenn ich ohne aus dem Haus gehe, fehlt irgendwas. Ich verwende schon seit Jahren denselben Duft. Ich würde aber gerne mal wieder etwas neues ausprobieren. Leider gibt es da selten ein Parfum das mir gefällt und ich bin meistens enttäuscht. Es darf auf keinen Fall zu süß oder kitschig sein, dass man sich auf der Strasse direkt danach umdreht.

Ein Beautyprodukt ohne dem du nicht leben kannst?
Für den ganzen Körper? Ganz logisch betrachtet wäre das dann wohl die Zahnbürste! Das ist ja die Grundvoraussetzung für alles weitere – schminken, frisieren, etc. – gepflegt zu sein!

Eine eigene Make up Kollektion im Stil der 50er Jahre – wäre das etwas, das dich interessiert?
Mit dem richtigen Partner, warum nicht. Schminke ist ja sehr oft Schminke. Da gibt es hunderte Püderchen auf der Welt die bestimmt alle irgendetwas können. Für mich geht es da schon auch um eine besondere Präsentation, die Verpackung und das ganze Konzept. Wenn ich die Chance bekäme mit dem richtigen Unternehmen zusammenzuarbeiten, wäre das schon etwas das interessant sein könnte.

Verrätst du uns noch dein persönliches Beautygeheimnis?
Wenn man mal müde ist und ganz schnell frisch aussehen möchte, einfach ein bisschen hellrosa Rouge vorne auf die Wangen auftragen und schon sieht man pumperl’gsund aus. Wie direkt nach dem Sport oder wie ich gern sage „wie ein frisch gevögeltes Eichhörnchen“!


Talking beauty with wonderful Austrian Fashion Designer Lena Hoschek. Click here to read it in English!

Related posts:

Trendfrisur nach Betty Page

18 Jul

Neue Trendmatte? Love it!! Und wer sagt’s laut? Richtig! Leider wieder nichts alltagstaugliches für Lockenköpfe…


(c)Wolfgang Wöhrle für Lena Hoschek Berlin Fashion Week SS 2011


Katy Perry in “California Gurls”


Betty Page (via)

Translation:
I really love this Betty-Page like hairstyle. No chance with my curly mane though…

Related posts: