Personal

Happy 1. Vegan Birthday!

Es ist so weit und ich darf es lauthals verkünden: ICH LEBE MIT DEM HEUTIGEN TAG SEIT EINEM JAHR VEGAN. Was für ein wunderbares Datum, wenn man bedenkt das heute Weltvegantag ist. Wenn ich zurück denke was sich alles im vergangenen Jahr verändert hat, dann schiessen mir so viele Gedanken durch den Kopf, dass sie sich kaum ordnen lassen. Ich habe es trotzdem versucht in Worte zu fassen und sehr offen darüber zu schreiben, um euch an meinen ersten 365 Tage als Veganerin teilhaben zu lassen…

Wie alles begann |

Bevor ich meine Karriere als Veganerin startete, lebte ich bereits seit 12 Jahren vegetarisch. Damals war ich ziemlich radikal und habe von einem Tag auf den anderen Fleisch von meinem Speiseplan gestrichen. Zum einen hat es mich vor Fleisch plötzlich angefangen zu ekeln und zum anderen hatte ich ein riesiges Problem mit Tiertransporten die mich irgendwie ständig verfolgten (den Rest habe ich bis vor einem Jahr weiter gut ausgeblendet). Fisch und Meeresfrüchte kamen mir sowieso nie auf den Teller und somit war ein erster Schritt in die richtige Richtung getan.

©herbivoreclothing

Babysteps |

12 Jahre lebte ich als Veggie dahin und stellte keine weiteren Fragen. Bis sich meine liebe Freundin Maria (ihr kennt sie vielleicht von A Cherry on Top) dazu entschloss vegan zu leben. Ich habe ihre Umstellung und neuen Lebensstil aus nächster Nähe miterlebt und ihr viele Fragen gestellt die ich schon wenig später selbst beantworten würde („Was spricht gegen Bio-Freilandeier, da leben sie doch glücklich?“, „Wie? Eine Kuh gibt nur Milch, wenn sie ein Kälbchen bekommt?„, usw.).

Was bin ich froh, dass ich Fragen gestellt habe und sie sich auch die Zeit genommen hat mir diese zu beantworten. Die ersten Schuppen von den Augen waren gelöst und den Rest habe ich, neugierig wie ich bin, sehr schnell selbst herausgefunden. Je mehr ich über das Wort „vegan“ gelesen habe, desto logischer wurde dieser Lebensstil für mich und immer mehr verschwand auch der stereotypische Veganer, den man vor Augen hat. Da tauchen statt trockenem Hirsecouscous plötzlich ‚Cheese’cake und Burger auf, statt Menschen im blutverschmierten Hasenkostüm finden sich erwachsene, trendbewusste, junge pflanzenfressende Menschen (ja, ja frisiert, geschminkt & modern gekleidet), vegane Schwangere, Kinder, Spitzensportler, Celebrities, ja selbst Veganer die keine Size Zero tragen gibt es. Was ich hier weniger überspitzt sagen möchte: Veganer kommen in allen Farben, Formen und Größen und plötzlich steckte auch in mir einer drin.

Mich hat das Thema Veganismus also immer mehr interessiert und ich habe mir zum ersten Mal die Zeit genommen, sämtliche Berührungspunkte zwischen Mensch und Tier in unserem heutigen Leben richtig zu hinterfragen. Vieles wurde für mich objektiv betrachtet (und genau das ist bei Essen der kritischste Punkt) plötzlich völlig abstrus (Muttermilch von einem anderen Tier im Kaffee?) und zudem unerträglich eine Maschinerie & Lobby dieser Sorte noch mitzufinanzieren (Welches Schweinderl quatscht mit seinem Bauern und freut sich auf die Schlachtbank?). Ich habe mich somit entschieden dem „vegan sein“ eine Chance zu geben und mir die ersten veganen Babysteps in mein Leben geholt.

©littlebabysteps.ca

Als erstes flog die Kuhmilch in meinem täglichen Kaffee. WARUM? Bei der riesigen Auswahl an Alternativen (Soja-, Mandel, Haselnuss-, Reis-, Hafer-, Kokosmilch und wie sie alle heissen) braucht man nur noch den Gaumen bestimmen zu lassen wie man seinen Latte am Liebsten trinkt. Auch in den meisten Kaffeehäusern steht ein Soy Latte am Menü und sonst darf es ruhig auch mal ein leckerer Tee sein.
Als nächstes war das Frühstücksei vom wochenendlichen Frühstückstisch wegradiert und seither nie wieder gesehen. WARUM? Dem folgte auch die „Veganisierung“ meiner Naschereien und ein gezogener Schlussstrich unter Wolle, Leder und Daunen.

Dann kam der 1. November 2011 – Weltvegantag…

Nägel mit Köpfen |

Meinen Blog Once Upon A Cream gab es auch schon pre-vegan. Da ich mich nun intensiv mit dem veganen Lebensstil auf allen Ebenen auseinandersetzte, beschloss ich anlässlich des Weltvegantags am 1. November 2011 einen Blogeintrag über vegane Beautyprodukte zu schreiben (hier könnt ihr ihn nachlesen). Im Zuge meiner Recherchen bin ich leider einem falschen Link gefolgt und auf ein Undercover-Video über den Umgang von Mitarbeitern einer Milchfarm in Ohio mit den Kälbchen gestossen. Das war damals wohl das Näheste das ich an einem Nervenzusammenbruch herankam und diesen Abend möchte ich niemandem wünschen. Da ich wusste, dass diese Zustände kein länderspezifisches Phänomen sind, sondern auch in Österreich vorkommen, stand mein Entschluss fest: ich probier’s! Ab heute lebe ich 100 % vegan!

© elephantjournal.com

Die ersten zwei Wochen sind von Informationsbeschaffung geprägt und wohl mit einer Ernährungsumstellung wie jeder anderen zu vergleichen. Man liest viele Verpackungsaufschriften (endlich!), geht mit offenen Augen durch den Supermarkt, ist wieder Herr(in) der Lage bzw. seines Kaufverhaltens (endlich!) und informiert sich viel über Inhaltsstoffe, Ernährung, Kosmetik & Co. In Zeiten des Internets ist es wirklich kinderleicht an Informationen ranzukommen, daher habe ich euch hier eine kleine Linksammlung mit guten Erstinfos zusammengestellt:

Vegane Ernährungsweise

www.vegane-beratung.com
www.vegan.at
www.provegan.info 

Sach- und Kochbücher

Skinny Bitch
The Vegan Girl’s Guide to Life: Cruelty-Free Crafts, Recipes, Beauty Secrets, and More
Vegan kochen So klappt die Umstellung
VEGANOMICON
Vegan for Fun: Vegane Küche die Spass macht
Vegan kochen für alle
Vegan Guerilla: Die Revolution beginnt in der Küche
Vegan genießen: Kochen ohne Tiere

Blogs

Totally Veg!
A Cherry On Top
Veggie Love
A Very Vegan Life
„V“eltenbummler – Vegan Verreisen
Vegane Beauty Blogs
Küchenfunkeln
Veganpassion
Vegan leben
Vegan Vienna
Deutschland is(s)t vegan
vegan nach plan
eat this!

Restaurants

Österreich
Deutschland
Weltweit

Starter Kits

PETA Veggie Starter Kit
VGÖ Veganer Starter Kit

 

Und was sagt Mama dazu? |
Die Entscheidung mein Leben ab sofort vegan zu leben betraf mich selbst natürlich am meisten. Überraschung! Aber auch Familie, Freunde und die Beziehung werden durch eine Änderung der Ernährungsgewohnheiten gestreift. Die anfänglichen Reaktionen waren sehr durchwachsen. Meine Freundin Maria machte Luftsprünge, meine Mama hingegen verstummte am Telefon und wechselte mit „Aha!“ das Thema. Auch in meiner Beziehung (mein Freund war bis vor ein paar Monaten noch Fleischesser) gab es Diskussionen und anfänglich auch viel Unverständnis.
Was mir zu Beginn besonders schwer fiel, war zu akzeptieren, dass es nicht jedem so ging wie mir. Nicht jeder wollte ebenfalls unbedingt wissen was mit den Tieren tatsächlich passiert. Welche Auswirkungen der massenhafte Konsum tierischer Lebensmittel auf die Tierhaltung, Umwelt und unsere Gesundheit hat. Es hat nicht bei jedem plötzlich „Klick!“ gemacht und nicht jeder sah die Welt plötzlich auch so wie ich. Mit der Zeit habe ich gelernt damit zu leben. Tolerieren wäre das falsche Wort, damit zu leben trifft es eher. Ich freue mich sehr, wenn mich Menschen offen und interessiert darauf ansprechen. Ich bemühe mich immer, so weit ich es selbst weiss, Fragen zu beantworten und Ängste oder Unverständnis zu besänftigen, obwohl ich es nicht als meine Aufgabe sehe die ganze Welt zu veganisieren. Ich habe aber auch gelernt, dass es Menschen gibt, die einfach nur provozieren möchten oder sich selbst auf den Schlipps getreten fühlen, wenn man lediglich ausspricht man lebe vegan. In 85 % der Fälle, wo ich aufgrund der Tatsache was ich mir auf den Teller lege ins Kreuzfeuer gerate, gelingt es mir heute mich zu beherrschen. Zu 85 %, wie gesagt.

Jetzt zählen wir allerdings bereits 365 Tage nach den anfänglichen Reaktionen. So sieht mein Umfeld heute aus:

Meine Mama | kocht mittlerweile besser vegan als ich, schwirrt in allen möglichen veganen Foren herum, bestellt die veganen Onlineshops leer und pfeifft in Restaurants Kellner zusammen, wenn sie trotz vorausgegangener Anfrage nichts Veganes auftischen können.

Mein Papa | knabbert im Urlaub mit mir Nussmix & Mannerschnitten und wartet auf meine abendliche Bestellung um dann „genau dasselbe“ zu ordern. Er  freut sich sogar so sehr über meine veganen Kochkünste, dass er zur Sojamélange gleich 3 Stück Kuchen verdrückt und mit seiner Kamera in den veganen Gulaschkochtopf mit einem lauten „Sensationell!“ hinein fotografiert.

Mein Freund | hat Eier! Der sieht sich Jamie Olivers Hühnerhölle und Joaquin Phoenix’s Earthlings an, sagt vor 2 Monaten zu seinem letzten Schnitzel laut Servus und lebt seitdem selbst vegan. Er veganisierte für das Weihnachtsgeschenk seiner Liebsten (das bin ich :-)) sogar den Vogue-Schriftzug, verbannt Bienenwachs und Tierversuche aus seinen Haarpomaden und startet mit mir zu Bonnie & Clyde ähnlichen Aktionen um halbverhungerte portugiesische Pferde zu füttern.


© Once Upon A Cream

Meine Freunde | Wie sich die Welt in meinem Freundeskreis verändert hat ist unglaublich. Aus 1 Veganerin und 2 Vegetarierinnen sind in einem Jahr 4 VeganerInnen und 5 VegetarierInnen geworden. Bei unserem jährlichen Weihnachtsdinner werden vegane Menüs bestellt, am Partybuffet gibt es veganes Fingerfood und nächstes Jahr bin ich auf der ersten veganen Hochzeit.

Meine Arbeitskollegen | sind ein bunter Mix aus allem: meine vegetarische Kollegin isst mit mir mittags vegan und mein kettenrauchender, von Orangensaft und Salamipizza lebender Chef erklärt mir wie ungesund Pommes sind! Mit mir als Quotenveganerin wird über Abteilungsgrenzen hinaus allerdings angegeben und mein veganes Backwerk wird immer liebend gerne und völlig verblüfft verspeist.

© Once Upon A Cream

Was gibt es zu essen? |

Sagen wir mal so, es gibt nichts was es nicht gibt. Es gibt für JEDES Gericht eine vegane Variante, sei es Tiramisu, Fleischbällchen oder Käsetoast. Ich habe durch das Leben als Veganerin meine Leidenschaft zu kochen & zu backen erst wirklich entdeckt. Es macht wahnsinnig Spass und beruhigt nach einem stressigen Tag (beides – das Kochen und der Cupcake danach!). Ich probiere viele neue Gerichte aus, gehe öfter in Restaurants essen als je zuvor und auch verreisen ist kulinarisch äußerst spannend, denn die bereits bekannte Stadt wird plötzlich wieder komplett neu entdeckt!

Vegan zu leben muss nicht zwingendermaßen teuer sein. Meine Lebensmittel kaufe ich im stinknormalen Supermarkt und bei dm. Wenn es mal etwas Spezielles sein darf (wie ein leckeres Frühstückscroissant oder veganer Käse), dann geht es in den Biosupermarkt. Darüber hinaus haben wir ein Biokistlabo aus dem Marchfeld, so bekommen wir wöchentlich frisches Obst & Gemüse direkt vor die Haustür geliefert. Wir essen natürlich auch Eis, wir essen Schokolade und wir essen Burger. Verzicht sieht für mich wirklich anders aus…

Alles hat ein Ende nur die Vurst hat zwei |

Wenn ihr tatsächlich bis hierher gelesen habt, dann freue ich mich riesig über eure werte Aufmerksamkeit bis zum süßen Ende dieses langen Blogeintrags.

Meinen nicht-veganen Leser hoffe ich hiermit Mut gemacht zu haben vielleicht ein neues Rezept oder Produkt auszuprobieren. Euch zu informieren! Nachzufragen! Mitzudiskutieren! Zu kosten! Probiert aus! Bleibt neugierig! Nicht verstecken und denken “ich will es gar nicht wissen”. Und ganz wichtig: findet euren eigenen Weg – Babysteps oder „Cold Turkey“, alles ist erlaubt.

Meine veganen Leser kennen nun meine Geschichte und daher erzählt mir doch auch von eurer persönlichen „Transformations-Story“ unten in den Kommentaren!

HAPPY WORLD VEGAN DAY!

Ich werde mich niemals dafür schämen für Tiere Emotionen zu zeigen, für sie zu sprechen und Partei zu ergreifen. Jede Kreatur hat das Recht auf ein friedliches Leben ob Mensch, Hund, Schweinchen oder Fliege!

©buzzfeed.com

translation_logo

It’s my 1-year vegan anniversary today! Please click translate on the right to read my story in funny English.

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