Animals, Travel

Die Gesichter von Gut Aiderbichl

Unsere diesjährige Sommerurlaubsplanung fiel extrem exotisch aus und das meine ich wirklich, denn wir haben zum ersten Mal so richtig Urlaub in Österreich gemacht anstatt ins nächstbeste Flugzeug zu steigen und wegzufliegen. Nachdem mir mein Freund zum Geburtstag letzten Herbst eine Privatführung auf Gut Aiderbichl Henndorf geschenkt hat und wir beide nach nur einem Tag bei den Tieren völlig tiefenentspannt zurückgekommen sind, haben wir uns diesen Sommer gleich eine ganze Woche im dazugehörigen Schroffnergut eingebucht. Wir haben letzten Herbst vor Ort dann eine Gut Aiderbichl Schweinepatenschaft abgeschlossen und somit haben wir 365 Tage im Jahr freien Eintritt bei allen besuchbaren Gnadenhöfen. Zu unserer Unterkunft und dem Urlaub erzähle ich euch aber in einem zweiten Blogeintrag mehr, denn diesen möchte ich nur den Bewohnern von Gut Aiderbichl widmen.

Das erste Gut Aiderbichl wurde im Jahr 2000 von Gründer Michael Aufhauser aus einem alten Bauernhof gebaut. Mittlerweile gibt es 25 Gnadenhöfe (der 26. befindet sich gerade im Umbau) mit ca. 6000 Tieren. Nur 3 dieser Gnadenhöfe sind öffentlich zugänging, denn viele der teils schwer traumatisierten Tiere benötigt viel Ruhe und ein zweites Leben abseits von Mensch und Trubel.

Wenn man das erste Mal auf Gut Aiderbichl ist, kommt man sich ein wenig vor wie bei Dr. Doolittle. Viele der Tiere dürfen hier frei herumlaufen und wo hat man schon mal die Möglichkeit in direkten Kontakt mit Esel, Kuh oder Hängebauchschwein zu treten. Nicht alle geretteten Tiere sind jedoch ihrem Vorleben unbeschadet davongekommen und so kreuzten auch blinde Pferde, ein schiefer Esel oder ein kleinwüchsiger Ochse unseren Weg. Für mich war der erste Besuch letzten Herbst sehr ergreifend und schon beim ersten Kälbchen, das ich gesehen und gestreichelt habe flossen bei mir die Tränen. Wenn man aber weiß und sieht wie sorgsam die Tiere hier gepflegt und individuell betreut werden, kann man sich glücklicherweise wieder schnell fangen. Alle 6000 Tiere haben hier einen Namen. Sie sind nicht mehr länger nur mehr eine Nummer. Sie werden immer zu zweit mit dem besten Tierfreund zum Tierarzt gefahren, um ihnen die Angst so gut es geht zu nehmen. Viele Tiere die auf Gut Aiderbichl leben, sind hier geboren oder schon als Baby gerettet worden. Daher sind sie einen gefühlvollen Umgang mit Menschen gewöhnt und es ist so auch für die Besucher ungefährlich mit ihnen in Kontakt zu treten. Die Tiere können sich auch jederzeit in ihre Stallungen zurückziehen oder einfach das Weite suchen, wenn ihnen der Trubel zu viel wird.

Ich möchte nun aber meine vielen Bilder sprechen lassen und sie durch das ein oder andere Zitat das ich aus der Gutsführung mitgenommen habe ergänzen.

„Bei uns haben alle 6000 Tiere einen Namen!“

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„Auf Gut Aiderbichl zählt jedes Leben genauso viel wie das andere. Dabei spielt es keine Rolle ob gesund, ob alt, ob jung, welche Rasse, jedes Leben zählt!“

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„Sie Wildschwein, er Hausschwein. Sie haben sich als Babies kennengelernt und auch wenn sie manchmal streiten, dass die Fetzen fliegen – sie sind einfach nicht mehr zu trennen!“

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„An unserem Tierbuffet kann jeder fressen wann und so viel wie es ihm passt!“

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„Es passt natürlich nicht jedem, dass Tiere bei uns als Lebewesen angesehen werden und nicht als Sache!“

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„Die Tiere dürfen hier einfach nur sein. Es wird hier niemand geritten oder muss sonst eine Aufgabe für den Menschen verrichten. Sie dürfen hier einfach nur sie selbst sein und bis zu ihrem Lebensabend auf Gut Aiderbichl bleiben.“

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„Schweine haben eine höchstsensible Nase. Es ist daher eine ungeheure Qual, wenn sie in den Mastanlagen auf diesen Spaltböden stehen und den ganzen Tag ihre eigenen Ausscheidungen einatmen müssen.“

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„Wenn ein Schwein genügend Platz hat würde es ihm nie einfallen dort sein Geschäft zu verrichten, wo es auch seinen Schlafplatz hat!“

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„In unserem Restaurant sind alle Speisen vegetarisch und vegan. Wir können ja nicht einerseits die Tiere retten und dann Leberkäse und Würstel servieren!“

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Es ist wirklich beeindruckend was Michael Aufhauser mit seinen Gnadenhöfen aufgebaut hat und wie vielen Tieren er damit bereits ihr Leben retten konnte. Auch die Vermarktungsstrategie von Gut Aiderbichl, mit der ich zwar nicht 100 %ig übereinstimme, hat sicher dazu beigetragen für so viele Tiere Spendengelder zu lukrieren und sie versorgen zu können. In etwa 2 Millionen Euro werden jährlich zur Verpflegung der Tiere benötigt. Diese Summe muss man sich einmal vor Augen führen. Nachdem Gut Aiderbichl aber kein landwirtschaftlicher Betrieb ist, niemand produziert und geschlachtet wird, gibt es von Staat oder Bundesland keinerlei Subventionen…

Ein bisschen ernüchtert bin ich wieder mal durch manche Menschen die hier herkommen, denn da wissen einige scheinbar nicht wo sie zu Besuch sind. Da wird herumgebrüllt, ehemalige Versuchsschweine als „da liegen’s ja, die Schnitzel“ angesprochen und auch sonst verhalten sich viele erwachsene Besucher als wären sie im Zoo. Diese Sprüche verstummen allerdings sehr schnell, wenn sich die Besucher der kostenlosen Gutsführung anschließen, wo erklärt wird wie heutzutage Milch produziert wird oder wie alt ein Schwein eigentlich werden könnte. Meine Hoffnung liegt auf den vielen Kindern die zu Gut Aiderbichl kommen. Sie sind so wissbegierig und hier kann man ihnen wirklich etwas Vernünftiges lernen und zeigen. Da habe ich ein kleines Mädchen beobachtet, das geflüstert hat, weil sie die schlafenden Wildschweine nicht wecken wollte. Ich habe Kinder gesehen die einen Hirsch gestreichelt und ihm ein Küsschen gegeben haben. Ich habe Kinder gesehen, die erstaunt waren wie groß, wie sauber und rosa Schweine sind, wenn man ihnen genug Platz lässt. Ich habe Kinder gesehen, deren Mutter ihnen vorgelesen hat, dass Milchkühe nicht mit ihren eigenen Kälbchen leben dürfen, weil der Mensch ihre Milch nimmt.

Es berührt mich immer sehr zu sehen, wie interessiert Kinder an Tieren sind, wie liebevoll sie mit ihnen umgehen und es ihnen das Herz bricht, wenn sie sehen oder erfahren, dass man ihnen Schmerz zufügt. Ich hoffe daher auf die vielen guten Kinderherzen die bei diesen Menschen auch als Erwachsener noch am rechten Fleck sitzen und unsere Zukunft wieder in eine friedlichere Richtung lenken!

„Now I can look at you in peace; I don’t eat you any more.“ – Franz Kafka

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Hier geht es zum zweiten Bericht über unsere Unterkunft am Schroffnergut.

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We spent a week at the Gut Aiderbich animal sanctuary in Salzburg. I cannot even describe how much positive energy and happy vibes these animal surround you with, although they all have terrible stories to tell about their previous lives. A must visit if you are in the area!

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