Animals, Travel

Da ist doch was im Busch! | Pt. 2

Gestern konntet ihr im ersten Teil des Gastbeitrags meiner Freundin Kathie über ihren dreiwöchigen Aufenthalt als freiwillige Helferin in der STRUWIG ECO RESERVE in Südafrika lesen. Hier geht es nun weiter mit dem zweiten Teil voller südafrikanischer Bushaction…

Die Tage im Busch beginnen sehr früh. | Nach einer kurzen Nacht warten wir daher am nächsten Tag bereits um 7 Uhr aufgeregt auf unseren ersten „Game Drive“. Während der etwa dreistündigen Fahrt im offenen Geländewagen macht uns die junge Wildhüterin Monica mit unserer neuen Umgebung, dem Busch, vertraut. Wir bekommen nicht nur Elefanten, Warzenschweine, Antilopen und Nilpferde aus nächster Nähe zu Gesicht. Neben den vielen wilden Tieren, die wir beeindruckt beobachten, macht uns Monica auch auf die vielfältige Pflanzen- und Vogelwelt aufmerksam.

Was folgt, sind kurzweilige und aufregende Tage und Wochen. Wir flicken Zäune, streichen Türen und Fenster, reparieren Straßen, bauen Dämme und „speed humps“ – das sind Bodenschwellen zum Schutz vor Hochwasser und Erosion. Erst im Frühjahr des heurigen Jahres führten heftige Regenfälle nämlich zu einer Überflutung des Olifant River und machten die einzige Straße vom Camp nach Hoedspruit unpassierbar. Durch ansteigende und abfallende Erhebungen in der Straße, die das Wasser drosseln, soll eine nochmalige komplette Abtrennung von der Außenwelt verhindert werden. Selten war ich so schmutzig, die rote Erde dringt bis in meinen Hals, und der Schweiß rinnt mir nicht nur angesichts der brüllenden Hitze vom Gesicht. Tagsüber steigen die Temperaturen auf heiße 30 Grad. Die rasch sichtbaren Ergebnisse unserer körperlichen Arbeit entschädigen uns jedoch für all die körperliche Anstrengung.

Auch die Tiere kommen selbstverständlich nicht zu kurz: Im Rahmen theoretischer Lektionen erfahren wir mehr über das Zusammenspiel unbelebter und belebter Komponenten des Ökosystems und lernen die Lebensweise, das Verhalten und die Merkmale der im Busch lebenden Tiere und Pflanzen kennen. Was bedeutet ein in der Luft kreisender Geierschwarm? Woran erkenne ich, ob ein Elefant nervös oder angriffslustig ist?

Wissen, das uns auf adrenalingeladenen Fußwanderungen durch den Busch, sogenannten „Game Walks“, auf welchen wir viele der „Big 5“ wirklich hautnah erleben, behilflich ist. Im Gänsemarsch folgen wir der mit langer Flinte bewaffneten Monica, die uns lehrt, die Spuren verschiedener Wildtiere voneinander zu unterscheiden und anhand verschiedener Aspekte die potentielle Entfernung von Löwe, Nilpferd und Co einzuschätzen. Das ist nicht unwesentlich, bekommt man es angesichts eines Zusammentreffens mit einem Elefanten oder einem Nilpferd mitunter doch mit der Angst zu tun. Wir wissen, es gilt: Nicht rennen!

Wir riechen an Wildkräutern und sammeln Rooibos-Blätter für unseren Tee. Auf unserem Aussichtspunkt auf das campeigene Wasserloch können wir die Tiere beobachten, die tagsüber und nachts zum Trinken kommen. Beim Frühstück werden jeden Tag die Tiergeräusche der letzten Nacht analysiert.

Der verzweifelte Kampf gegen illegale Treibjagden | Doch auch die Schattenseiten des idyllisch wirkenden Lebens im Busch bleiben uns nicht verborgen. Der Manager berichtet uns von seinem verzweifelten Kampf gegen illegale Treibjagden und seine Stimme bebt dabei vor Zorn und Trauer. Insbesondere die brutale Nashornjagd, bei der die Wilderer den Tieren die Hörner abschlagen und diese dann meist blutüberströmt und verstümmelt verbluten lassen, hat in den letzten Jahren sowohl in privaten, als auch in staatlichen Wildtier- und Naturreservaten massiv zugenommen. In Südafrika leben mehr als 8o Prozent aller Nashörner Afrikas, 448 sind davon letztes Jahr von illegalen Wilderern erlegt worden. Das Horn wird vor allem nach China und Vietnam geschmuggelt wo es als Wunderheilmittel gegen Bluthochdruck, Potenzschwäche und sogar Krebs eingesetzt wird. In Asien herrscht eine starke Nachfrage nach dem südafrikanischen Kulturgut, zwischen 50.000 und 65.000 Euro lassen sich für die Banden in China und Vietnam auf dem Schwarzmarkt für ein Kilogramm Hornpulver erzielen. Zwei von drei der in Asien heimischen Nashornarten wurden durch Wilderei bereits ausgerottet, weshalb insbesondere Südafrika ins Visier der Wilderei-Syndikate geraten ist. Bei diesen handelt es sich um weitverzweigte und hochkomplexe Netzwerke, die Tierschützer, Wildhüter und Politiker im Kampf gegen die illegale Abschlachterei gleichermaßen vor große Probleme und zunehmende Ratlosigkeit stellen. Zur Bekämpfung der organisierten Kriminalität beim Schmuggel und Verkauf von Nashorn-Hörnern setzt Südafrika mittlerweile auch auf das Militär.

Fernab jeder Zivilisation | gestaltet sich das Leben im Busch eher einfach. Es gibt für uns Volontäre kein Internet und kein Fernsehen. Der wöchentliche Ausflug nach Hoedspruit, bei dem alle erforderlichen Lebensmittel der nächsten Woche besorgt werden, ist da schon ein kleines urbanes Highlight und zeigt anhand des zeitlichen Aufwands – mehr als 5 Stunden Autofahrt sind an diesen Tagen zur Bewältigung der Wegstrecken erforderlich – wie beschwerlich das Leben im Busch mitunter sein kann.
Dennoch sind die Ruhe und die Nähe zu Natur und Tieren, die man bei einem Leben im Busch erfährt, nicht nur berührend und „echt“, sondern sehr abenteuer- und facettenreich. Allein die Bilder, die sich einem jeden Tag bieten, sind einmalig – kein Sonnenuntergang gleicht dem anderen, einmal leuchtet das Buschland im Abendlicht honiggelb, das andere Mal feurig rot.

Mit der Zeit scheint Monicas Entscheidung, ihr Studium in Kapstadt für eine Ausbildung zur Wildhüterin abzubrechen, nachvollziehbar.

Zu den beeindruckendsten Erlebnissen in meiner Zeit im Camp zählen neben der nächtlichen Jagd einer Elefantenherde nach ein paar Hyänen, die dem Elefantenjungen zu nahe gekommen sind, ein Kampf zwischen zwei Nilpferden, sowie die Ankunft einer riesigen Büffelherde beim Olifant River.

Aber auch viele der weniger spektakulären Tierbegegnungen waren berührend und bleiben unvergesslich. Genau wie mein Aufenthalt im Camp. Neben wertvollen Freundschaften habe ich wichtige Dinge über Natur, Tiere und schließlich übers Leben gelernt und kann die Arbeit im Freiwilligenprojekt nur jedem weiterempfehlen. Eine anschließende Reise durch Südafrika ist nicht nur empfehlenswert, sondern auch wichtig, um das am höchsten entwickelte Land des zweitgrößten Kontinents der Erde mit all seinen Kulturen, seiner atemberaubenden Landschaft und seiner leidvollen Geschichte besser verstehen zu können. Trotz dem Fall des Apartheidregimes Anfang der 1990er Jahre kämpft Südafrika gegen gravierende soziale Ungleichheiten und Spannungen innerhalb der Volksgruppen, unendliche Armut, hohe Kriminalitätsraten, sowie die alarmierende Verbreitung von Aids.

Fotos: © Kathrin B.

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My dear friend Kathie went to South Africa straight into the bush. She spent three weeks volunteering at the Struwig Eco Reserve and enjoyed a never-to-be-forgotten experience. Here is pt. 2 of her amazing story. Please click Translate (on the right) to read in English!

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